Nestarten der Ameise – Verschiedene Bauweisen von Ameisennestern

Wer bei einem Ameisennest nur an den Ameisenhügel, dem Nest der Waldameisen denkt, erfasst nur einen geringen Teil der Nestarten. Der Ameisenhügel ist allerdings in Nord- und Mitteleuropa die bekannteste Form. Die Nester der Ameise variieren abhängig von der Ameisenart sehr stark.

neststruktur ernteameise

Die Neststruktur der Ernteameise

Es sind immerhin 13.000 verschiedene Ameisenarten bekannt. Der Lebensbereich hat einen Einfluss auf die Form des Nestes. Die Mehrzahl der Ameisennester wird im Gegensatz zum Ameisenhügel der Waldameisen vollständig oder teilweise unterirdisch angelegt. Das ist auch ein Grund dafür, dass sie dem Wanderer nicht gleich ins Auge fallen. Um ein Ameisennest zu bauen, benötigen die Ameisen morsche Holzteile, Pflanzenteile, Erde und andere Naturmaterialien. Selbst bei Völkern einer Art können Abweichungen im Nestbau vorkommen. Grund dafür sind in den meisten Fällen klimatische Einflüsse.

 

Das Erdnest

Erdnester der Ernteameise (Pogomyrmex badius)

Das Erdnest kommt weltweit am häufigsten vor. Es besteht aus Kammern und Gängen, die von den Ameisen in die Erde gegraben werden. Dazu müssen die kleinen Insekten immer wieder Erdkrumen an die Oberfläche holen. Die Ameisen bewältigen bei dieser Arbeit enorme Mengen an Erdsubstrat. Mehrere Gattungen der Ernteameisen nutzen Steine als Schutz vor Wärme und legen ihre Nester bevorzugt unter Steinen an. Ernteameisen der Gattung Messor sind dafür bekannt, dass sie um ihr Ameisennest einen Kraterwall bauen.

 

Das Kuppel-Erdnest der gelben Wiesenameise (Lasius flavus)

erdnest ameise

Ameisen Erdnest

Die gelbe Wiesenameise lebt bevorzugt auf Wiesen. Sie baut ein Ameisennest, das durch eine Kuppel auffällt. Gänge und Kammern durchziehen die Erdkuppel. Das Nest der gelben Wiesenameise zählt zu den Hügelnestern, zu dem auch das bekannte Nest der Waldameise gehört.

Erdkuppeln haben einen großen Vorteil für die Ameisen. Sie können auf Grund der großen Kuppel-Oberfläche mehr Wärme durch die Sonnenstrahlen aufnehmen und speichern. Die Kuppel schützt das Ameisennest zudem vor Kälte und Regen. Im Winter gewährleistet die Kuppel den Schutz vor Frost.

Häufig fällt bei der Untersuchung von Nestern der gelben Wiesenameise auf, dass die Nester von Graswurzeln durchzogen sind. Die Ursache dafür ist, dass der Nestbau um einen Grasstängel herum beginnt. Der Stängel wirkt wie eine Stütze. Das Ameisennest mit Kuppel befindet sich nicht nur im oberirdischen Bereich. Auch unterirdisch finden sich Gänge und Kammern. Die Struktur der Gänge im Ameisennest der gelben Wiesenameise ermöglicht ein schnelles Abfließen des Regenwassers.




Erdnester mit Kuppel der gelben Wiesenameise erreichen eine Höhe von bis zu zwei Metern und einen Durchmesser von fünf Metern. Wenn man bedenkt, dass die unterirdische Ausweitung etwa den gleichen Umfang hat, wird die wahre Größe deutlich. Pilze stellen eine Gefahr für das Ameisennest dar. Die kontinuierliche Umschichtung der Oberfläche des Ameisenhügels reduziert die Gefahr eines Pilzbefalls. Feuchtes Nestmaterial an die Oberfläche transportiert und von der Sonne getrocknet.

 

Das Holznest

holznest der ameise

Holznest der Ameise

Holznester sind Ameisenbauten, die sich in Baumstämmen lebender oder morscher Bäume befinden. Die Ameisen bauen dann Gänge und Kammern in das Kernholz. Die Versorgung des Baumes mit Wasser und Mineralstoffen wird durch den Nestbau der Ameisen nicht beeinträchtigt. Das bedeutet, der Baum kann auch mit den Ameisen weiterleben.

Äußerlich sind Holznester für das ungeübte Auge nicht sichtbar. Allerdings können die Holznester bauenden Ameisen im Haus sehr unbeliebt. Sie können durch ihre Nester in Balken enorme Schäden in Gebäuden anrichten. In Europa sind Holznester der braunen Wegameise (Lasius brunneus) sowie der schwarzen Rossameise (Camponotus herculeanus) und der braunschwarzen Rossameise (Camponotus ligniperdus) die bekanntesten.

 

Das Kartonnest

Kartonnest Ameisen

Kartonnest der Ameise

Die glänzendschwarze Holzameise (Lasius fuliginosus) zählt zu den wenigen in Mitteleuropa bekannten Ameisenarten, die Kartonnester bauen. Kartonnester sind hauptsächlich in tropischen Regionen gebräuchlich.

Der Bau eines Kartonnestes erfolgt, indem die Ameise Holzreste und Erdkrumen zerkleinert und mit halbverdautem Honigtau vermischen. Die Ameise erhält durch diese Mixtur ein Baumaterial, welches die Grundlage für eine Symbiose mit einem tropischen Pilz bildet. Der Pilz verhilft dem Ameisennest durch seine Sporen zu hoher Stabilität.

 
 

Das Seidennest

Weberameisen bzw. grüne Ameisen sind dazu in der Lage, ein Sekret zu erzeugen, welches dem der Seidenraupen ähnelt. Mit Hilfe dieses Sekretes setzen sie sich ihre Nester aus Blättern und Pflanzenresten zusammen. Ebenso wie die Kartonnester sind Seidennester oft frei hängend in tropischen Wäldern zu finden.

Einige Weberameisen bauen ganze Nester aus dem Seidensekret. Sie ummanteln das Seidennest mit kleinen Pflanzenteilchen, Futter- und Kotresten, wodurch das Ameisennest nicht nur zusätzlich stabilisiert und geschützt wird, die Ummantelung eignet sich auch als Tarnung gegen Angreifer.

 

Das Ameisennest in Pflanzen

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Nest der Weberameise (Oecophylla Smaragdina) – Basile Morin [CC BY-SA 4.0], from Wikimedia Commons

Einige Ameisenarten bauen ihre Nester in Ameisenpflanzen. Als Ameisenpflanzen oder Myrmecophyten werden solche Pflanzen bezeichnet, die mit den Ameisen eine symbiotische Verbindung eingehen. Die Pflanze bietet Lebensraum und teilweise auch Nahrung für die Ameise.

Einige Ameisenarten benötigen Myrmecophyten für ihre Fortpflanzung. Die Ameise hingegen kann die Pflanze gegen Schädlinge schützen, teilweise aber auch selbst Nahrung für die Pflanze sein. Bekannte Arten, die ihren Lebensraum in Ameisenpflanzen finden, sind die Cataulacus muticus, die in den Stämmen einer asiatischen Riesenbambusart lebt.

Diese Art ist hauptsächlich in Malaysia heimisch. Gemeinsam mit den Ameisen leben auch Schildläuse, die den Honigtau produzieren. Auch Büffelhornakazien sind bekannte Ameisenpflanzen. In den Dornen der Akazien finden sie einen sicheren Lebensraum.




Das Kleinstnest

Einige Ameisengattungen bauen ihr Ameisennest auf ganz kleinem Raum. Die Arbeiterinnen der Gattung Temnothorax werden nur zwischen 2,3 und 3,2 mm groß. Auch die Königinnen erreichen lediglich 3,5 bis 4,7 mm Größe. Sie werden kaum wahrgenommen. Die Temnothorax-Ameisen verzichten auf den Bau eines Ameisennestes.

Sie leben in Baumkronen und nutzen kleine Asthöhlen oder wohnen in den Fraßlöchern anderer Insektenarten. Auch Ameisen der Gattung Leptothorax, die zur Unterfamilie der Knotenameisen zählt, leben auf kleinstem Raum in Schneckenhäusern, Nussschalen oder Eicheln. Auch Felsspalten oder Baumrinde eignen sich als Ameisennest.

 

Das lebende Ameisennest

Einige Ameisenarten, die Wanderameisen, Heeresameisen und Treiberameisen, verzichten vollständig auf den Bau von Nestern. Sie bewegen sich ständig und ziehen durch die Savannen der Tropen. Sie sind auch in den südamerikanischen Regenwäldern zu finden. Sie benötigen kein Ameisennest.

Die Königin wird auf dem Weg von den Arbeiterinnen getragen und geschützt. Die Ameisen bilden mit ihren Körpern eine Art lebendes Lager für die Königin. Auf diese Weise gelingt es den Ameisen, große Strecken zu überwinden und der Königin Schutz zu bieten. Auch beim Überwinden von Hindernissen hilft die Methode.

 

Das Ameisennest im Sommer und im Winter

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Ameisenhügel als Nestart der Waldameise

Die Ansprüche an das Ameisennest unterscheiden sich in den Jahreszeiten. Während der Sommer die Zeit der höchsten Aktivität ist, halten die mitteleuropäischen eine Art Winterruhe. Aus diesem Grund verfügen zahlreiche Arten über ein Sommernest und ein Winternest. Wenn sich die ersten Sonnenstrahlen im Frühling zeigen und das Nest erwärmen, ziehen die Ameisen in das im Spätherbst verlassene Sommernest um.

Beide Nester befinden sich oft nur wenige Meter voneinander entfernt. Möglich ist auch, dass das Ameisenvolk im Frühjahr ein neues Nest an einem besser geeigneten Ort anlegt. Für das Winternest eignen sich schattige Plätze, die verhindern, dass sich das Ameisennest bei Wintersonne zu sehr aufheizt. Im Sommer lieben Ameisen sonnige, trockene und warme Plätze für ihr Ameisennest.

Eine große Gefahr für Ameisen sind starke Regenfälle und Überschwemmungen. Die Ameisen der Gattung Tetraponera binghami haben ihren Lebensraum in den bis zu 20 Meter hohen Stängeln des Riesenbambus gefunden. Sie leben vor allem in den hochwassergefährdeten Regionen Malaysias. Diese Ameisenart überzeugt durch eine hohe Intelligenz und findet in der Forschung große Beachtung.

Die kleinen Insekten haben eine Möglichkeit gefunden, sich vor Regen zu schützen, indem sie zusammen wie ein Korken den Stängel vor eindringendem Wasser verriegeln. Gleichzeitig saugen sie Regenwasser, welches in den Halm dringt auf und transportieren es bis an die Oberfläche des Stängels heraus.

 

Der Kurzsteckbrief der Ameise

  • Die Ameise, auch Emse genannt, gehört zur Klasse der Insekten. Der lateinische Name der Ameise lautet Formicidae.
  • Ameisen erreichen eine Größe zwischen 0,7 und 20 Millimeter. Sie erreichen ein Gewicht von 4 bis 12 Milligramm.
  • Die Lebensdauer einer Ameise beträgt zwischen drei Monaten und 20 Jahren. Ameisen leben auf allen Erdteilen außer in der Antarktis.
  • Ameisen zählen zu den staatenbildenden Insekten.
  • Gefürchtete Feinde der Ameisen sind die Ameisenlöwen, die Insektenlarven der Ameisenjungfer. Der Ameisenlöwe verzehrt Ameisen, die er zuvor mit einem Trichter im Sand fängt.
  • Die fliegende Ameise ist keine spezielle Ameisengattung. Es handelt sich um geschlechtsreife Tiere, die zur Paarung flügel bilden und ausschwärmen.
  • Bei der Ameisensäure handelt es sich um Methansäure, eine organische Säure mit einem stechenden Geruch. Ameisensäure wird von Ameisen zur Abwehr in ihren Drüsen produziert. Auch andere Insekten sind in der Lage, Ameisensäure herzustellen.